Hier schreibt Oberbürgermeister Burkhard Jung |
Liebe Leipzigerinnen und Leipziger, liebe Gäste unserer Stadt!
Es gibt kein Jahr, in dem nicht auch Daten der jüdischen Geschichte Leipzigs als Jubiläum zu finden sind:
- Vor 60 Jahren starb Professor Barnet Licht, der große Chordirigent, der die Deportation überlebte, zurückkehrte nach Leipzig und der die Kunst als grundlegendes Lebensrecht begriff.
- Vor 80 Jahren wurde die Ariowitsch-Stiftung, das Israelitische Altersheim eröffnet, das heute ein lebendiges Kultur- und Begegnungszentrum ist.
- 1926, vor 85 Jahren, stiftete Henri Hinrichsen den Ankauf von Musikinstrumenten und begründete damit das Musikinstrumentenmuseum der Universität Leipzig.
- Vor 100 Jahren wurde das Kaufhaus Bamberger & Hertz im Königsbau am Augustusplatz eröffnet, das nach Bankendossiers „... zu den ersten und bedeutendsten Konfektionshäusern Deutschlands...“ gehörte.
- Und ebenfalls vor 100 Jahren gründete die Pädagogin Henriette Goldschmidt mit Hilfe von Henri Hinrichsen die erste Frauenhochschule Deutschlands. Heute lernen und studieren junge Menschen am selben Standort in der Henriette-Goldschmidt-Schule, dem Beruflichen Schulzentrum Sozialwesen der Stadt Leipzig.
Vielen Leipzigerinnen und Leipzigern und auch mir ist es außerordentlich wichtig, an die jüdische Geschichte unserer Stadt zu erinnern und die verfolgten, vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Leipzigs nie zu vergessen. Auch in diesem Jahr werde ich wieder ehemalige Leipziger jetzt auch schon in der zweiten und dritten Generation begrüßen und bin sehr froh darüber, dass die früheren Leipziger die Kraft haben, das Leipzig ihrer Kindheit und Eltern zu besuchen. Ich hoffe sehr, dass sie unsere veränderte Stadt wahrnehmen können und sehen, wie wir uns der historischen Verantwortung stellen.
Schalom. Jüdische Woche in Leipzig
Das Ariowitsch-Haus ist das Zentrum der Jüdischen Woche 2011, die von der Stadt Leipzig gemeinsam mit der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und der Ephraim Carlebach Stiftung ausgerichtet wird. Zahlreiche Vereine, Organisationen und viele junge Leipzigerinnen und Leipziger gestalten und tragen das Programm. In über 70 Veranstaltungen, in Konzerten, Lesungen, Gesprächen, Theatervorstellungen, Stadtführungen, Vorträgen und Ausstellungen können Sie die Leipziger jüdische Geschichte erfahren und Sie können gegenwärtiges jüdisches Leben in allen Facetten erleben und kennen lernen.
Jüdisches Leben in Leipzig
Die Jüdische Woche ist wie eine „Bühne“ für das jüdische Leben in Leipzig. Mit dem Zuwachs an Gemeindemitgliedern, ihrer zunehmenden Integration in das Leipziger Leben und mit der Eröffnung des Ariowitsch-Hauses ist jüdisches Leben wieder sichtbar. Möglicherweise ist das ein anderes jüdisches Leben, als wir es aus den Erinnerungen, Erzählungen, Büchern und Filmen kennen. Aber, und das macht mich besonders froh, es ist ein lebendiges jüdisches Leben in unserer Stadt. Die Gemeinde zählt über 1300 Mitglieder, es wird geheiratet, es werden Kinder geboren, es sind Vereine gegründet worden wie der Sportverein Makkabi. In einem Kindergarten lernen die Kinder durch die Integration einer jüdischen Kindergruppe ohne Scheu die Kultur und Bräuche des jeweils anderen kennen. Das ToraZentrum Leipzig ist ein Anziehungspunkt für junge Menschen aus ganz Europa, die zum Lernen, zu Schabbatfeiern und anderen Festtagsevents nach Leipzig kommen. Küf Kaufmann, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde, nennt das gegenwärtige jüdische Leben in Leipzig eine Erfolgsgeschichte. Zu dieser Geschichte gehört auch die des ehemaligen Israelitischen Altersheims, das heute eine Kultur- und Begegnungsstätte ist. Dieses Haus, das Ariowitsch-Haus, ist das Zentrum jüdischer Kultur mitten in Leipzig, mit Kursangeboten, Arbeitsgemeinschaften und mit einem prallen Veranstaltungskalender – in der Jüdischen Woche wie in allen Wochen des Jahres.
Liebe Leipzigerinnen und Leipziger, liebe Gäste,
ich lade Sie recht herzlich ein, besuchen Sie eine der zahlreichen Veranstaltungen der Jüdischen Woche in Leipzig 2011 und genießen Sie die gelebte kulturelle Vielfalt in unserer Stadt.
Ihr Burkhard Jung |