Hier schreibt Oberbürgermeister Burkhard Jung - Städtepartnerschaft mit Herzliya |
Liebe Leipzigerinnen und Leipziger, liebe Gäste unserer Stadt,
am 18. September haben meine Amtskollegin Yael German, Oberbürgermeisterin der Stadt Herzliya in Israel, und ich die Städtepartnerschaftsurkunde zwischen unseren beiden Städten unterzeichnet. Herzliya ist die 14. Partnerstadt Leipzigs.
Städtepartnerschaften sind ein wichtiger Bestandteil der internationalen Aktivitäten einer Stadt. Sie werden vielfach von hohem bürgerschaftlichem Engagement getragen, sie dienen der wirtschaftlichen Entwicklung, der Bildung und dem kulturellen Austausch.
Ich möchte Ihnen hier in aller Kürze von der Entstehung, Entwicklung und vielversprechenden Zukunft dieser Partnerschaft berichten.
Leipzig wurde von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern geprägt
Leipzig wurde von seinen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern stark geprägt. 1847 wurde die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig gegründet. Schnell wuchs die Gemeinde zur größten in Sachsen und zur sechstgrößten in Deutschland. Sie verfügte 1925 über 13.000 Mitglieder verschiedenster Strömungen. Die Mitbürger jüdischen Glaubens waren in der Stadt gut integriert und sehr geschätzt. Dies änderte sich jedoch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. In Leipzig haben immer auch mutige Bürgerinnen und Bürger, wie einer meiner Amtsvorgänger Carl Friedrich Goerdeler, gewirkt. Trotzdem blieb die Stadt von der Reichspogromnacht, der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und den Deportationen in die Vernichtungslager nicht verschont. Am Ende des Zweiten Weltkrieges hatten noch 24 von ihnen überlebt.
Größte jüdische Gemeinde Sachsens in Leipzig
Ich bin sehr froh, dass Leipzig mit mehr als 1.300 Mitgliedern heute wieder die größte jüdische Gemeinde in Sachsen beheimatet. Um das Wissen um und die Verbundenheit mit der jüdischen Kultur in unserer Stadt zu fördern, hat die Stadt Leipzig die alle zwei Jahre stattfindende „Jüdische Woche“ ins Leben gerufen. Die Stadt Leipzig begeht zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Wir organisieren Besuchsprogramme für ehemalige Leipzigerinnen und Leipziger jüdischen Glaubens und laden auch deren Nachkommen zum Besuch ein. Außerdem engagieren sich Organisationen, Stiftungen, Vereine und zahlreiche Privatpersonen für vielfältige Aspekte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Judentums in Leipzig. Aus diesem Grund gibt es seit Jahren auch einen engen Austausch zwischen Israel und Leipzig.
Austausch führte nach Herzliya
Dieser Austausch führte mich über die letzten Jahre mehrfach nach Israel und besonders nach Herzliya. Bereits 2007 leitete ich eine Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern des Stadtrates, aus Kultur und Religion sowie Verwaltung und Wirtschaft. Im gleichen Jahr habe ich auf Einladung des Oberbürgermeisters von Jerusalem an der dortigen Bürgermeisterkonferenz teilgenommen. Auch 2008 fand eine weitere große Delegationsreise nach Israel unter meiner Führung statt, in deren Rahmen wir Mitgastgeber des Tages der Deutschen Einheit in der Residenz des deutschen Botschafters in Herzliya sein durften. Ein weiteres wesentliches Ziel dieses Besuchs war die Förderung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen.
Es gab in den letzten Jahren zahlreiche Veranstaltungen im kulturellen Bereich in Herzliya und in Leipzig. Lassen Sie mich nur einige herausgreifen: 2010 gastierte der Leipziger Synagogalchor unter Leitung von Kammersänger Helmut Klotz in Israel. Das Leipziger Theater der Jungen Welt besuchte auf Einladung des Goethe Instituts Herzliya. Frank-Michael Erben begann einen vielbeachteten Dirigentenaustausch mit Harvey Bordowitz, dem Leiter des Herzliya Chamber Orchestras. 2010 reiste ich zur Aufführung der Kinderoper Brundibár mit dem Leipziger Gewandhauskinderchor und dem Moran Choir erneut nach Herzliya. Im Rahmen dieses Besuches kam es zur Unterzeichung einer Absichtserklärung zur verstärkten Zusammenarbeit zwischen Herzliya und Leipzig. Im Mai 2010 gründete sich der Städtepartnerschaftsverein Leipzig-Herzliya e.V. Dieser hat schon eine Menge zu den guten Beziehungen zwischen Herzliya und Leipzig beigetragen und unternahm 2011 eine erste Bürgerreise.
Musiker, Maler und Grafiker besuchten sich gegenseitig. Junge Sportler aus Herzliya nahmen in diesem Jahr an der Lipsiade teil. Die bestehenden Schulpartnerschaften zwischen dem Anton-Philipp-Reclam Gymnasium und der Rishonim High School sowie der Max-Klinger Schule und der Junior High School David Ben Gurion tragen entscheidend zu Begegnungen und Annäherung von Jugendlichen aus beiden Städten bei.
Aus der Zusammenarbeit entstand die Städtepartnerschaft
Diese vielfältige Zusammenarbeit führte nun dazu, dass die Städtepartnerschaft nun offiziell beschlossen wurde. Fast 80 Leipziger aus allen Bereichen unserer Stadt haben mich zur Unterzeichnung nach Herzliya begleitet. Die Teilnehmer der Sachsensail segelten sogar quer über das Mittelmeer, um dabei zu sein.
Ich hoffe, dass die bereits bestehenden Beziehungen in den Bereichen Jugend, Schule und Sport sowie in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur weiter ausgebaut werden können und neue Kooperationen zustande kommen. Ich hoffe auch, dass viele Verbindungen und Freundschaften zwischen den Menschen in beiden Städten entstehen. Mir ganz persönlich ist die Partnerschaft zwischen Herzliya und Leipzig eine Herzensangelegenheit, und ich freue mich einen wichtigen Beitrag zu deren Zustandekommen geleistet zu haben .
Ihr Burkhard Jung
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